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Von Frauen für Frauen

 

 

Eva-Maria Wegerich, Vorsitzende des DT Bad Homburg 2010, wirft einen ganz persönlichen Blick auf den DT:

 

Wenn Sie mir vor zwanzig Jahren erzählt hätten, ich sollte die Vorsitzende eines Frauenvereins werden, hätte ich dieses Ansinnen empört vor mir gewiesen. In mir existierte eine Sperre gegen jede Form von Vereinsmeierei - sicher durch meine Mutter ausgelöst.

Sie ist 1921 geboren, hatte sich erfolgreich vor der Teilnahme am BDM drücken können und hatte nach dem Desaster des zweiten Weltkrieges den endgültigen Beweis, dass jede Form von Gruppenbildung etwas grundsätzlich Verdächtiges in sich trägt. Was war verdächtig?

Der Konformismus, das Eingeschworensein auf ein gemeinsames Ziel, der Zwang zur Anpassung, die Einengung und die Verführung, die Welt aus einem engen Blickwinkel heraus zu erleben. Genau an dieser Stelle setzt der Diskussionskreis Taunus (DT) einen Kontrapunkt.

Er ist ein Verein, gegründet „Von Frauen für Frauen“. Diese Formulierung ist genial und war vor 40 Jahren geradezu revolutionär. In ihrer Schlichtheit verrät sie ihr revolutionäres Potenzial nicht auf den ersten Blick, aber auf den zweiten.

Es heißt, Frauen haben Bedürfnisse. In der ausformulierten Zielsetzung des DT Bedürfnisse nach intellektuellem Austausch. Und diese Bedürfnisse müssen nicht Männer, sondern können auch Frauen befriedigen.

Meine Mutter hatte Geschichte und Anglistik studiert, ihren Beruf aber erst ausgeübt als wir Kinder aus dem Haus waren. Sie lebte bezogen auf meinen Vater, die Kinder und die weitere Familie. Enge Freundinnen gab es kaum. Ihre Intellektualität machte sie einsam. Mit etwas Wehmut denke ich, der DT hätte ihr Leben unglaublich bereichert und sie aus der Bezogenheit auf die Familie gerettet.

Wenn Sie an Ihre Mütter denken, werden sie vielleicht ähnliche Erfahrungen erinnern. Enge Frauenfreundschaften waren in dieser Generation eher die Ausnahme. Frauen definierten sich noch weitgehend über ihren Mann und das machte sie verwundbar. Andere Frauen waren eine potenzielle Gefährdung.

Und nun das. „Frauen für Frauen“, Loslösung aus der Bezogenheit auf den Mann . Das heißt auch, sich seiner Beurteilung entziehen. Sich eine eigene Welt bauen. Eine Welt außerhalb der drei K`s (Küche, Kirche, Kinder). Eine Welt in der sie etwas bekommt. In der sie sich als Frau mit all ihrer Lebendigkeit und Besonderheit einbringen kann und diese Besonderheit mit anderen Frauen teilen.

Eine Welt, in der sie sich Anregungen holt, Anteilnahme und Ermutigung erlebt, die sie stärken. Von Männern kenne ich das auch aus der Generation meines Vaters - diesen Stolz auf andere Männer, die besten Freunde, durch die er sich bereichert und aufgewertet fühlte.

Frauen, natürlich nur außerhalb des DT, neigen dazu sich mit ihren unterschiedlichen Lebensentwürfen zu kritisieren. Das war besonders in meiner Generation sehr verbreitet. Berufstätige Frauen haben sich leicht die Kritik nicht berufstätiger zugezogen und umgekehrt wurde die Nur-Hausfrau als Luxusweibchen denunziert.

Die Suche nach einem lebbaren Kompromiss zwischen Kindern, Familie und Beruf wurde von Geschlechtsgenossinnen nicht immer wohlwollend begleitet, sondern rührte häufig an eigenen schmerzlichen Verlusterlebnissen.

Wozu diese Ausführungen? Mir liegt daran, klar zu machen, das die Grundidee des Vereins „Frauen für Frauen“ heißt, dass es ein kostbares, wichtiges Ziel ist, als Frau das Leben einer anderen Frau zu bereichern.

Wie viele meiner Vorgängerinnen im Fünferteam haben diese Tätigkeit so genossen, weil sie die Solidarität und Freundschaft anderer Frauen erfahren haben.

Wenn Sie in der Generation unserer Töchter die unglaublich hohe Anzahl essgestörter junger Frauen erleben und die Problematik auf die Formel verkürzen, dass es offensichtlich schwer ist, sich als Frau in unserer Gesellschaft wohl und sicher zu fühlen, wenn der DT nur dazu beiträgt, dass unser Leben bunter, anregender, weniger isoliert und kommunikativer wird, hat er einen ganz wesentlichen präventiven gesellschaftlichen Beitrag geleistet. Wenn es zusätzlich noch gelingt, zugewandt, liebevoll, also potenziell weiblich, an der Andersartigkeit anderer Frauen teilzuhaben, bleibt der DT eine Gemeinschaft von Frauen, die sich Entwicklungsspielräume eröffnen. Das widerspricht dem alten Bild von Vereinsmeierei und den Blick begrenzenden Konformismus.